Archiv für Januar 2013

erlebnismarkt

die wichtigsten, die grausamen aspekte des vorherschenden, kapitalistischen systems hält man in der regel vorm endkonsumenten in der gestalt von werbungsbeeinflussten, mittel- bis gutverdienenden steuerzahlern fern.
die wirklich krassen ausbeutungen werden gedanklich immer nach afrika oder asien verlegt, weit weg, hat mit unserem leben nichts zu tun.
dass diese ausbeutung in ihren schlimmsten formen auch vor unserer haustür stattfindet war mir bis vor ein, zwei jahren auch nicht bewusst, obwohl sie immer teil meiner lebenswelt war. ich bin ein kind des zeitalters offener innereuropäischer grenzen und habe immer nahe an der tschechischen grenze gewohnt, zehn kilometer vom offiziellen grenzübergang entfernt, zu fuß durch den wald sind es maximal fünf.
mensch fuhr zum tanken hin und für billige klamotten, CDs, DVDs (zigaretten spielten in meinem umfeld keine rolle);
direkt hinter dem grenzübergang befindet sich der „asiamarkt“, von den bürger_innen der BRD in der regel jedoch nur asia-markt genannt, manchmal auch vietnamesen-markt“.
ich bezweifle dass von den dort arbeitenden menschen viele persönlich aus vietnam kommen…oder ihre vorfahr_innen.
das system scheint so zu funktionieren (lassen wir die spekulationen über geldwäsche und co mal beiseite): zwischenhändler_innen stellen den menschen an den ständen waren zur verfügung von denen sie eine bestimmte anzahl verkaufen oder mit denen sie einen bestimmten gewinn erziehlen müssen und dann wird entsprechend bezahlt. viele verschulden sich extrem, mensch unterbietet sich und muss nach kund_innen jagen um die konkurrenz um ein paar euro zu übertreffen. das ist es was dann als unfreundliches, aufdringliches verhalten aufgefasst wird. die anweisung meiner jeweiligen begleitperson als kind war: „nicht ansehen, nicht antworten, weiter gehn, feilschen!“
es hat wirklich lang gedauert bis ich realisiert habe was da wirklich abgeht.

nach geschlecht getrennter sportunterricht…

…hat mich eine menge sachen gelehrt: das mädchen nich fußball spielen, z.B.
oder jungs keinen bändertanz machen. oder im allgemeinen, keine rhythmische sportgymnastik. dafür handball. in ca. 4 jahren anti-koedukativem sportunterricht hatte ich kein einziges mal einen handball in der hand. dafür unzählige hockeyschläger.
wir spielten kein football. wir machten selten hindernisparkours. dafür lernten wir in der sechsten klasse die erste choreographie, komplett mit laaaangsam nach hinten beugen, becken rhythmisch hoch und runter und den arm schwingen, wie mit einem lasso.
hilfestellung bei den jungs sah so aus dass der lehrer vor der mattenwand die räuberleiter machte, bei den mädchen stellte sich beim reifentanz die lehrerin hinter eine, nahm ihre hüften in die hände um uns zeigen, wie man richtig damit kreist. ich erinnere mich noch heute an ein bauchnabelpiercing das sich in meinen rücken drückt.
warum meint mensch so unterschiedliche lehrpläne für kinder aufstellen zu müssen, nur weil sie in dem alter sind von dem man ausgeht dass sich dort die pubertät befinde (davor und danach hat mensch zusammen)?
ich denke mensch würde ein großes stück weiterkommen in richtung einer bildung, die alle so gut wie möglich fördert, wenn wir aufhören, den kindern vorzuschreiben welchen sport sie kennen lernen sollen und welchen sie „später sowieso nich brauchen“ (o-ton ex-sportlehrkraft).
den kindern wird vermittelt dass tanzen unmännlich ist, fußball unweiblich. dann wundert mensch sich warum die mädchen, die in der oberstufe fußball wählen im durchschnitt schlechtere noten bekommen als die in gymnastik und tanz.

tadellos

wenn menschen merken dass man dinge wie anarchie ernsthaft in betracht zieht kommt oft folgender ausspruch: „anarchie? das wäre mord und totschlag!“
aber wieso? denken sie, das einzige was unsere mordgelüste und gewaltfantasien im zaum hält wäre die angst vor bestrafung? denken sie dass alle menschen, im moment wo sie von der staatsgewalt befreit, zähnefletschend auf die straße stürmen, mit küchenmessern bewaffnet….?
vermutlich würde es morde geben…gibt es sie jetzt nicht?
das ist eins der größten gedanklichen probleme die ich mit dem anarchismus habe….ich bin schon eine weile auf der suche nach antworten, auch wenn es mit sicherheit kein patentrezept gibt.
texte die ich empfehlen kann sind unter anderem dieser hier oder der.
ich hoffe echt ihr lest euch das mal durch, denn da stehen eine menge interessanter punkte: wie man versuchen könnte, gewalt gar nicht erst eskalieren zu lassen (erster link), durch das vermeiden autoritärer prägung in der kindheit (siehe auch die erziehungskritik) beispielsweise und der gestaltung einer offenen streitkultur.
auch ein sehr guter gedanke ist, das geständige menschen im juristischen system der BRD weniger hart bestraft werden, auch in fällen wo ihre schuld nicht einwandfrei erwiesen worden ist: es erinnert (nur vom prinzip her) an eine hexenjagd mit weniger gewalttätiger geständniserpressung.
könntet ihr euch eine welt ohne strafe vorstellen? wieso/nicht?

klamottn

die einzigen beiden fairtrade-kleidungsstücke die ich momentan besitze sind ein vegan-tshirt und ein sport top von greenality von dem ich allerdings keine ahnung hab wo es abgeblieben ist….:/
ich dachte immer fairtrade sachen wärn alle so basic wie bei obengenanntem…bis ich gestern in einen laden in münchen gestolpert bin.
im gespräch mit dem mensch an der kasse stellte sich das mit dem fair erst heraus und ich dachte mir wow….^^
mein persönliches vorhaben ist es schon länger, nur noch fairtrade oder gebraucht zu kaufen, kein problem dachte ich, ich mag secondhandläden (schon den geruch).
dann stieß ich auf kleiderkreisel.
die idee find ich ziemlich genial: die wahrscheinlichkeit dass jemand das teil welches du gern hättest bei sich unnützerweise rumliegen hat ist gigantisch also warum etwas neues kaufen / das bereits produzierte wegwerfen?
aaaaaalerdings (und jetzt kommt mein persönlicher standpunkt) würde ich nie gebrauchte waren vom toten tier kaufen verkaufen oder tragen. ich weiß, das macht das tier auch nich mehr lebendig, is halt meine meinung…wie macht ihr das? seid ihr bei KK? :]

stück vom kuchen

zuallererst ein random-fact: meine erziehungsberechtigten zahlen jedes jahr 1 € für das fischrecht für einen etwa 1 m breiten und 30 cm tiefen bach der durch ihr grundstück fließt. das einzige wesen welches davon profitiert ist der fischreiher.

eigentlich geht es heute allerdings um dinge wie die schenkungssteuer.
stellt euch mal vor wie schön die welt wäre ohne sie? schwarzarbeit wäre nich mehr illegal („nee, das haus hier hab ich auf freundschaftlicher basis gebaut. dann hat mir der besitzer ganz ohne gegenleistung geld geschenkt. ich weiß nich wo sie da nen zusammenhang sehen wollen…“). aber sie ist es. wieso eigentlich?
der einzige nachteil den ich sehen kann ist versicherungstechnisch, seht ihr noch einen?
naja, zurück zur schenkung…
altruistische handlungen zwischen zwei menschen werden mit bis zu 50% besteuert. krass oder?
genauso die erbschaftssteuer:
„Durch die Einführung der Schenkungssteuer sollte es von nun an unmöglich werden, dass mit dem Schenken zu Lebzeiten hier die Erbschaftsteuer umgangen werden konnte.“ (quelle)
viele beratungseinrichtungen geben entsprechende tipps wie diese (und andere) steuer zu umgehen sei: teile verschenken, über mehrere personen etc…
geht es nur mir so oder hat hier sonst noch wer den eindruck das ganze wäre eine art wettbewerb zwischen staat (im wirtschaftlichen sinne) und haushalten/unternehmen?