Archiv der Kategorie 'nachgefragt'

*dauerwerbesendung an*

Denken sie, sie könnten ihrem Kind die optimale vorbereitung fürs leben geben? denken sie, sie könnten es zu eine_r mündige_n bürger_in machen, bereit für eine zukunft in diesem staat?
sie irren sich.
was heißt es schon, wenn sich das kind vor ihnen für die zerschossene fensterscheibe rechtfertigen muss, vielleicht noch vor den nachbar_innen? im Internat des MRG passiert das ganze vor einem gremium aus aus erzieher_innen und schüler_innen (nicht das einzige staatsähnliche organ, daneben gibt es das ‚Parlament‘ in dem darüber abgestimmt wird, welche schüler_innenwünsche in die EZK weitergeletiet werden), selbstverständlich erst nach intensiven einzelbefragungen mit professionell pädagogischen verhörmethoden.
beispiel gefällig? es fehlt der beweis dass das 14-jährige subjekt heimlich dem tabakkonsum fröhnt? sprechen wir es auf mögliche haarwurzeltests an, dann reagiert es schon!
was heisst es schon zu wissen, dass die geschwister eine_n verpetzen könnten, hier ist anonymes petzen möglich. das schafft vertrauen!
natürlich ist das kind diesen pädagogischen verfahren nicht allein ausgeliefert, (auch wenn wir gemeinsam ‚angeklagte‘ natürlich nur einzeln befragen,) nein, manchmal darf das kind sich eine_n erzieher_in als eine art anwält_in aussuchen, welche_r dann bei der verteidigung hilft.
um für alle verstöße die passende strafe zu finden müssen wir natürlich alles wissen, es kommt schon vor, dass wir zB die zimmergenoss_in oder freund_innen befragen. oder schränke durchsuchen, mit einweghandschuhen in der schmutzwäsche wühlen. aber das nur nebenbei.
allgemein werden freundschaften hier sehr genau beobachtet, je jünger die schüler_innen desto mehr. wird ein näherer kontakt als potenziell schädlich für den schulischen erfolg erkannt handeln wir sofort, etwa mit änderung der zimmerbelegung.
insgesamt haben wir zwei ziele: den schulischen erfolg und eine familiäre atmosphäre.
letztere erreichen wir dadurch, dass wir unsere schüler_innen ganz genau kennen lernen: wir befragen sie zu allem genau, bis hin zu ihrer täglichen körperhygiene. wenn die nicht stimmt weisen wir darauf hin, auch gerne in aller öffentlichkeit.

*aus*

das ist satirisch aber wahr.
ich habe nicht alles was ich beschrieben habe selbst erlebt aber doch freund_innen, die mir davon erzählten.
ich werde ihre namen nicht nennen.
selbst wenn es sich um einzelfälle handeln würde, was ich nicht glaube, ist es immer noch bemerkenswert was menschen hier aufgeben müssen.

überraschung!

es hat wirklich wer auf meine anfrage geantwortet, über die ich hier mal twitterte.
meine mail:

ich hoffe sehr dieses Schreiben an die richtige Adresse zu richten, falls nicht bitte ich um seine Weiterleitung.
Nicht zuletzt im Zuge verschiedener Datenschutzskandale wird das Interesse der Bevölkerung an ihrer eigenen ‚Überwachung‘ größer, daher meine Frage: Werden die Bürger Ambergs an irgendeiner Stelle von der Stadt videoüberwacht? Wenn ja, wo und warum?
Ich freue mich sehr auf ihre Antwort

deren mail:

[..] zu Ihrer Anfrage per Mail vom 9. Juli 2013 an unseren Oberbürgermeister kann ich Ihnen folgendes mitteilen:

1.Im öffentlichen Raum (Straßen und Plätze) gibt es seitens der Stadt Amberg keine Videoüberwachung.
2.Bei einzelnen Dienstgebäuden der Stadt Amberg (Hauptfeuerwache, Rettungsleitstelle, Einwohneramt) gibt es im Zugangsbereich Kameras. Es erfolgt hier aber keine Aufzeichnung. Die Kameras liefern keine Detailaufnahmen.
3.Bei der Realschule gibt es eine Web-Cam ohne Aufzeichnung und ohne Detailaufnahme.
4.Bei zwei Parkdecks gibt es Attrappen. Es handelt sich also nicht um funktionsfähige Kameras.

Diese Antwort bezieht sich nur auf die Stadt Amberg. Die (nicht gestellte) Frage, inwieweit andere Institutionen Videoüberwachung in ihrem Verantwortungsbereich durchführen, ist davon zu trennen. Hierzu müssten Sie ggfls. direkt bei den Institutionen bzw. Gebäudeeigentümern nachfragen.
Bislang konnte die öffentliche Sicherheit in Amberg also ohne Videoüberwachung sichergestellt werden. Wir hoffen, dass dies auch in Zukunft so möglich ist.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bernhard Mitko
Berufsmäßiger Stadtrat

substanz-toleranz

hallo menschen! :]
endlich mal wieder ein richtiger beitrag hier ^^
ich wollte nach meinem post über straight edge auch mal eine gegenansicht darstellen und habe darum Toni von Antonio Peris Buchbinderwerkstatt ein paar fragen gestellt.
here we go:

Wie würdest du deine allgemeine position zu psychoaktiven substanzen (sowohl il- als auch legal) in einem satz beschreiben?
Die Trennung zwischen Droge, Medikament und Genussmittel ist eine rein juristische Definition, daher spreche ich lieber nur von Substanzen – psychoaktive Substanzen haben das Potential all das zu sein, es kommt nur auf unseren Umgang damit an.

Inwieweit beeinflusst diese einstellung deinen alltag? kennen menschen aus deinem privaten umfeld deinen blog und wie finden die das?
Um diese Frage zu beantworten, muss ich etwas ausholen: Meine Experimentierphase ist abgeschlossen und bis auf moderat kiffen auch meine Zeit als Konsument. Zur theoretischen Ausandersetzung mit dem Thema Drogen bin ich nach meinen ersten psychedelischen Erfahrungen (mit psilocybinhaltigen Pilzen) gekommen. Es gab im Freundeskreis einfach niemanden, mit dem ich diese Erfahrungen besprechen konnte. So bin ich dann auf das Land der Träume gestoßen, das war Anfang 2006 mein Einstieg in die „Drogenwelt“ des Internet. Das ging so weit, dass ich einige Jahre Moderator und nachher Co-Admin im LdT war. Substanzen wie Cannabis, Kokain, Amphetamin und MDMA habe ich in jungen Jahren (aber sehr moderat) konsumiert. Mein Einstieg in die psychedelische Welt fand jedoch eher untypisch mit knapp 30 Jahren statt – und das war gut so. Noch heute bin ich sehr zwiegespalten, ob Menschen in jugendlichem Alter schon die ernsthaften Psychedelika konsumieren sollten. Die charakterliche Tiefe – ein Trip fördert ja u.a. nur zutage, was in jemandem ist, ist noch wenig vorhanden und wohl auch weniger Selbstkontrolle. Trips sind ein sehr fragiler Zustand. Ich vergleiche sie gern mit einer Operation am offenen Herzen. Sie bieten wunderbare Chancen, aber bergen auch enorme Risiken. Psychedelika sind kein Spielzeug, auch wenn man damit Spass haben kann – der wahre Sinn ist jedoch ernsthaft und wenn irgendwo das Wort „heilig“ angebracht ist, dann hier. Ich gehe keinesfalls so weit wie Dr. Christian Rätsch, der Psychedelika auch in jungen Jahren für angebracht hält, aber seine Position dazu lässt mir trotzdem keine Ruhe.
Da ich mein LdT-Profil nicht lösche, und auch das unter dem gleichen Namen öffentlich wahrnehmbar ist, möchte ich auch meine dunkle Zeit nicht verschweigen. Mit der Fülle der neuen sog. Research Chemicals habe ich es in meiner LdT-Zeit dann sehr übertrieben und keinen vorbildlichen Konsum praktiziert. Das hat mich dann auch (Upper/Downer-Kreislauf) in eine Benzodiazepin-Abhängigkeit geführt (die einzige körperliche Abhängigkeit die ich je hatte), hatte mein Ausscheiden aus dem LdT zur Folge und danach habe ich mich für ca. 2 Jahre komplett aus dem Thema zurückgezogen – sowohl was die Theorie als auch eigenen Konsum anbelangte.
Ging es in meiner LdT-Zeit noch um Substanzen, so geht es mir heute vornehmlich um Politik. Ich war schon immer ein politischer Mensch (auch Abseits von der Drogenpolitik) und insofern ist es nur schlüssig, dass ich das spannende Feld Drogenpolitik zu meinem Thema gemacht habe.
Meine Tätigkeit und öffentliche Wahrnehmbarkeit vor der viele Menschen, die sich gern engagieren würden, Angst haben, hat sich bisher nur positiv ausgewirkt. Gerade noch hat mich ein Mitarbeiter meines Stamm-Supermarktes zum aktuellen Prozess in Maastricht befragt. Ich war mal mit Kein Wietpas! – Shirt da und da hat er mich darauf angesprochen und gleich gesagt: „Find ich gut!“ Seitdem reden wir immer kurz wenn ich ihn beim Einkaufen sehe. Meinen eigenen Blog (für den ich seit April leider, wegen der intensiven Arbeit für Kein Wietpas! keine Zeit habe) kennen Freunde, aber nicht jeder Bekannte. Kein Wietpas! ist aber wesentlich bekannter.
Einen großen Verwandtenkreis habe ich nicht, aber dort thematisiere ich diese Sache nicht ausführlich. Eine kurze Interviewsequenz war zwar auch schon im WDR-Fernsehen, aber darauf bin ich bisher nicht angesprochen worden. Ich habe aber genug hinter mir, um mich nicht mehr zu verstecken oder zu heucheln. Wenn mich jemand fragt, bekenne ich mich klar. Allerdings sind manche Konservative sehr verbohrt und dabei vorsätzlich inkompetent. Das war in meiner Familie immer so. Vielleicht auch daher mein Wunsch wenigstens andere aufzuklären und etwas zu bewirken. Der Spruch: „Ein Prophet gilt nirgends weniger als … in seinem Hause.“ trifft auf mich absolut zu. Meine eigene Mutter habe ich nie überzeugen können, und die ist Schöffin bei Gericht, was die Sache noch einmal bitterer macht.

needspeed

was sagst du zu staatlichen antidrogenkampagnen wie zB ‚need no speed‚?
Lustigerweise kenne ich besagte Kampagne (ich habe sie mir zwischenzeitlich angesehen) noch gar nicht. Allerdings missfällt mir bei den staatlichen Kampagnen immer das Abstinenzdogma. Besser finde ich die Kampagne „Quit the Shit“ der Drogenberatungsstellen. Dort wird explizit gesagt, dass sich die Kampagne an Menschen richtet, die ihren Cannabiskonsum beenden oder reduzieren wollen. Dieses Reduzieren ist ein niedrigschwelliger Ansatz und völlig okay für Menschen, die ein problematisches Konsummuster haben, oder mit dem Konsum nicht zurechtkommen. Die Kampagne zu Alkohol „Kenn Dein Limit“ zielt ebenso nicht auf Abstinenz. Sowas geht auch mit anderen Substanzen als Alkohol. Wenn der Ansatz also nicht Abstinenz wäre, würde die Zielgruppe vielleicht auch dem Staat zuhören, anstatt nur darüber zu lachen und Witze zu machen. Das ist nämlich bislang der größte Effekt staatlicher Kampagnen.

würdest du alle illegalen drogen gern legalisiert sehn? warum / nicht? machst du dir aufgrund deiner präsenz in der öffentlichkeit sorgen um deine privatsphäre?
Ich beende meine Kommentare manchmal mit einem abgewandelten Cato-Zitat: „Im Übrigen bin ich der Meinung, dass BtMG, AMG und GüG ersatzlos gestrichen werden müssen.“ Das ist natürlich Polemik und eine Maximalforderung. Die realpolitisch erreichbare Lösung sieht aber wohl anders aus. Zumindest in unserer Staatsform. Das weiter zu denken, führt schon beinahe zu Deiner Frage nach einem anarchistischen Gesellschaftsmodell, dazu aber später.
Die Prohibition und die damit einhergehende Repression, die sowohl unmenschlich als auch volkswirtschaftlicher Wahnsinn ist, verursacht mehr Probleme als ein falscher Umgang mit psychoaktiven Substanzen. Ich empfehle noch diesen kurzen Audiobeitrag.
Fast weltweit haben die USA in den 60er Jahren mit dem Einheitsabkommen über die Betäubungsmittel ein ideologisches und abgrundtief dummes System etabliert, dass seitdem unendlich viel mehr Leid verursacht und Opfer gefordert hat, als diese angeblich von Grund auf bösen Substanzen. Ich finde es unerträglich, dass aufgrund dessen politsche Änderung gelähmt sind. Einzig in den USA selbst kümmert man sich nicht um diese internationalen Verträge. Wir sollten das Einheitsabkommen entweder aufkündigen, oder (wie Amerika) einfach nicht beachten. Bei Rüstungsexporten können wir das ja auch ganz gut. Das Einheitsabkommen über die Betäubungsmittel ist das größte Hindernis auf dem Weg zu einer vernünftigen und unideologischen Drogenpolitik.
In Punkto Privatsphäre habe ich umgedacht. War ich bisher ein Gegner der Post-Privacy, weiß ich doch, dass man sich nicht verstecken und gleichzeitig öffentlich wahrnehmbar sein kann. Anonymous kann das, aber mein politisches Engagement kann das so nicht. Trotzdem benutze ich einen Nickname, der mittlerweile wesentlich mehr als das geworden ist. Antonio Peri ist schon eher ein Alter-Ego. Die Behörden wissen evtl. wer ich bin. Ich verschleiere nicht einmal meine IP. Allerdings war mir auch klar, dass politisches Engagement und Konsum von mehr als geringen Mengen nicht zusammengeht. Ich habe also nicht viel zu befürchten, hoffe jedoch trotzdem nicht Opfer von behördlichen Schikanen zu werden. Damit rechne ich aber jederzeit.

hast du dich je mit dem thema anarchie beschäftigt?
Nicht ausreichend. Eine herrschaftslose Gesellschaft ist ein Traum und wünschenswert. Allerdings habe ich große Sorgen, ob wir in unserer derzeitigen Evolutionsstufe dazu bereit sind. Zunächst müsste sich der Geist aller Menschen ändern. Das setzt eine entheogene bzw. psychedelische Revolution voraus, bezüglich der ich aber auch ziemlich desillusioniert bin. Natürlich habe ich Dinge erkannt, und mich auch unwiderrufbar durch meine psychedelischen Erfahrungen verändert. Die haben schon etwas geschafft, was keine Psychotherapie hinbekommt. Allerdings greift das nicht immer und überall. Auch ich bin manchmal klein und egoistisch. Reicht es in einer Anarchie nicht aus, wenn wenige starke die Macht an sich reißen und andere unterjochen möchten? Wie wehrt sich die Mehrheitsgesellschaft dann gegen solche potentiellen Tyrannen? Eine Anarchie würde also einen absoluten gesellschaftlichen Konsens voraussetzen und ein viel sozialeres Verhalten. Es könnte die Staatsform von wirklich humanen und hochintelligenten Wesen werden – aber ich sehe das in ferner Zukunft und auch nur wenn ich utopisch und nicht dystopisch denke.

drogenwelle

wie denkst du wie in einer anarchistischen gesellschaft mit drogen umgegangen wird/werden würde?
Ich denke dass Drogen dann wesentlich besser benutzt würden als heute und es weniger problematischen Konsum gäbe, da die Menschen nicht mehr so viele Verletzungen damit überdecken müssten. Diese Konsummotivation führt ja meist in ein problematisches Konsummuster oder in die Sucht. Egal wie die Gesellschaftsform ist, werden Drogen aber immer da sein und eine Rolle spielen. Sie sind von der Menschheit nicht zu trennen. Daher finde ich auch, dass es kein Zitat gibt, was dümmer und so abgrundtief unmenschlich ist, als der Satz von Helmut Kohl: „Unser Ziel muß eine Gesellschaft sein, die Rausch einmal genauso ächtet wie Kannibalismus.“ Dieser Mensch hat noch nie die tiefen Erkenntnisse aus LSD oder Psilocybin kennengelernt. Wie echt, wahr und natürlich das ist. Noch hat er das totale Verständnis zwischen zwei Menschen die sich lieben auf MDMA gespürt. Das verbieten und ächten zu wollen ist ein echtes Verbrechen, dass hoffentlich vor einem höheren Gericht als unseren weltlichen geahndet wird.

Danke :]

preisknüller

ich hab mal bei den menschen vom black mosquito nachgefragt wieso sie (wie in meinem beispiel in diesem post) t-shirts mit kapitalismuskritik kapitalistisch vermarkten…hier ihre antwort, danke noch vielmals! :]

„Aus der Sicht der herrschenden Ordnung ist darin überhaupt kein
Widerspruch – schließlich ist es ja eine der herrausragenden Funktionen
des Marktes alles zu absorbieren und verwertbar zu machen. Revolution,
Subkultur, Antikapitalismus – lässt sich alles kaufen. „Du bist
unzufrieden mit den vorherrschenden Lebensformen und Wegen? Kauf dir ein
Shirt bei uns und werd Teil einer Subkultur!“ …und so wird für jedes
Unbehagen eine neue Lücke in der Verwertungslogik gefunden und der Markt
expandiert (Bio-vegan-ökologisch-korrekt bis zu communism-merch).

Andererseits glauben wir nicht, dass die Verwertung-total funktioniert.
Wir sehen in Subkulturen und ähnlichem immer noch die Chance, einen
Freiraum zu bieten in welchem sich Menschen von Normen, Zwängen und
verkrustetem Gedankengut befreien können… in Shirts, Aufklebern und
anderen Materialien, die eine Aussage in die Öffentlichkeit tragen sehen
wir immer noch eine Chance für Irritation zu sorgen, zu provozieren,
Gefährt_innen zu finden und/oder zu bestärken.
Dabei sind wir uns der Widersprüche bewusst – aber es geht ja nicht
darum ‚eine weiße Weste‘ zu haben oder moralisch überlegen zu sein,
sondern darum die herrschenden Verhältnisse ins Wanken zu bringen.

Zur Konsumkritik empfehlen wir auch diesen Text aus der Straßen aus
Zucker:
http://strassenauszucker.blogsport.de/2011/05/19/fang-bei-dir-selber-an/“

xxx

wusstet ihr, dass es menschen gibt, die komplett auf alkohol, zigaretten und alle illegalen drogen verzichten? doch wirklich! und wisst ihr was toll wär? wenn ihr euch mal mit diesem gedanken ernsthaft auseinander setzen würdet, ganz egal wie eure meinung jetzt oder danach drüber ist.
aaaalso: heute geht’s hier um die straight edge bewegung von der die meisten wahrscheinlich zumindet schon mal gehört haben (ich hab fast mein ganzes theoretisches wissen darüber iwo im netz aufgegabelt, also für alle die jetzt ein fragezeichen über dem kopf schweben haben: der wikipedia-artikel is ganz in ordnung):

„Dabei setzt sich Straight Edge zusammen aus dem Wort straight für ‚nüchtern‘ und der US-amerikanischen Phrase to have an edge (dt.: ‚einen Vorteil haben‘).“ [http://de.wikipedia.org/wiki/Straight_Edge]

edger verzichten also auf rauschmittel und bestreiten ihr leben mit einem kühlen kopf.
also, nun kennen wir die fakten aber ich finde man kann sich so keine ordentliche meinung bilden und darum hab ich ein mini-interview mit lisa von http://lisagoesveggie.blogspot.com/ geführt:

was war zuerst da, die einstellung oder die bezeichnung straight edge?

Ganz klar die Einstellung! Ich halte mich an buddhistische Ethikregeln, deshalb kam das für mich auch nicht wirklich in Frage. Und, mal ehrlich, schmecken tuts ja auch nicht :D . Irgendwann hab ich dann halt den Namen „Straight Edge“ gefunden und gemerkt, dass das auf mich zutrifft. Aber, dass ich deshalb nur Straight Edge-Metalcore höre oder so, stimmt nicht (ab und an trotzdem ganz gerne).

gab es einen „aha!“-moment/eine erleuchtung?

Nö, eigentlich nicht. In meiner Klasse gibt es ab und zu mal Besäufnispartys, ich hab da aber generell kein Interesse dran und musste nicht erst eine Alkoholvergiftung haben um straight edge zu werden ;-)

benutzt du den begriff im reallife eher häufig oder nicht?

Nicht wirklich, weil man sich damit nicht unbedingt Freunde macht. Das ist wie ein typisches Vegan-Outing nach dem alle mir gleich erklären , wie schwer das doch ist, wie unnormal ich bin und dass sie eh kaum Fleisch essen (beim Straight-Edge-Outing wäre das dann „Ich trinke ja eh nur mal abends ein Glas Wein“). Und man muss doch sagen, dass fast jeder Alkohol und Zigaretten okay findet, bei Fleisch und Co. sind die Leute schon kritischer! Einige halten mich auch für feige oder langweilig, straight edger wurden z.B. im Spiegel die „härtesten Weicheier der Welt“ genannt (durfte ich mir auch mal anhören ;-) . Für die meisten Leute ist es eben cool, Alkohol zu trinken.

ist koffein für dich da n thema?

Definitiv nein. Ich hab mir da auch mal Gedanken gemacht, aber so lange ich darauf verzichten könnte, wenn ich wollte, ist das für mich okay. Ich sehe aber keinen Grund, warum Koffein schlecht ist- Cola light oder Club Mate sind einfach zu lecker :D

kennst du noch andere von der sorte? möchtest du ein vorbild sein?

Nur eine andere Veganerin, die ist aber leider weggezogen. Für mich ist das auch nicht besonders wichtig, ob meine Freunde straight edge sind. Ich würde jetzt auch nicht sagen, dass ich wirklich so ein Edger-Szene-Typ bin, ich nehme mich da nicht so extrem ernst. Für mich steht der Inhalt im Vordergrund und nicht der Name oder irgendwelche Begleitsachen (z.B. die Metalcore Musik). Deshalb male ich mir auch keine X auf die Hände ;-) . Wenn ich Xe auf den Händen hätte oder irgendwelche sXe Aufnäher tragen würde, würden mich viele wohl eher für einen Nazi oder so halten, weil sie nicht wissen, was es bedeutet. Vegan kennen dann doch mehr Leute.
Ein Vorbild will ich nicht direkt sein. Natürlich fände ich es super, wenn sich mehr Leute entschließen würden, VsXe zu leben, aber dann sollten sie das tun, weil sie es selbst gut finden. Und es ist ja nicht so, dass so ein Musterexemplar wäre, dass jeder so sein sollte wie ich- ich habe auch einige ziemlich blöde Angewohnheiten…

denkst du, die ganze welt könnte in einer denkbar fernen zukunft so denken wie du?

Puuh, erlich gesagt… Keine Ahnung! Sieht aber eher nicht danach aus. Für die meisten gehört das zur Kultur, deutsches Bier, schottischer Whiskey, kubanische Zigarren usw. :D . Ich überlege mir lieber jetzt, was ich machen kann, um die Ideen ein bisserl zu verbreiten, anstatt drauf zu hoffen, dass in 20 Jahren irgendjemand drüber nachdenkt!

großes danke, lisa! :]
mir fiel vor kurzem auf, dass ich mehrere menschen kenne, die sich von illegalen drogen total abkehren und abhängige verurteilen während sie selbst anderthalb schachteln am tag rauchen…das hat mich eigentlich ans thema herangeführt.
in meinem kant-post kam ich mit dem begriff ‚mündigkeit’ und eigenständigem denken um die ecke und ich finde dass das viel mit sXe zu tun hat; wer nüchtern ist und klar denken kann braucht nicht bevormundet und gelenkt zu werden, kann selbst vernünftige entscheidungen treffen. solche menschen können ihre situation vielleicht gründlicher reflektieren.
als ich mich mit jemandem darüber unterhielt kam noch folgende frage auf:
was, wenn ich die nüchterne, rationale entscheidung zum rausch treffe? ist das überhaupt möglich? gibt es rationale gründe dafür? wie denkt ihr menschen da draußen darüber? sind meine posts allzu planlos? (eine gewisse planlosigkeit ist unvermeidlich aber ich könnte mich zusammenreißen)
schönes restwochenende! ^^