Archiv der Kategorie 'Poesie'

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denkendenkendenken
an menschen aber nicht für sie.
die welt scheint nicht besonders hilfreich.
drum bleibts bei
poesie.

rich guilt (a little too pathetic)

Es war einmal ein reiches Mädchen
das wuchs auf zwischen Feldern und Wiesen auf dem Land.
Es wuchs auf mit Hasen und Hunden und Enten
und Unmengen Büchern und Urlaub am Strand.

Es hatte zwei arbeitende Eltern
der Vati Mechanik und die Mutti bei der Bank.
Und selbst als der Vater mal arbeitslos wurde
war das kaum Anlass zur Sorge um den Kontostand.

„Alle Menschen sind gleich!“ – dachte das reiche Mädchen
(es saß gerade da und schälte Lauch)
Dass alle hier (in BRD) die gleichen Chancen hätten
und Kinder von Hartz IV-Empfängerinnen auch.

Es gibt eine Menge was das Mädchen nicht wusste
und was es halt später erfahren musste:

Dass in diesem Land auch vielen Menschen
ein eigenes Auto stets Wunschtraum bleibt
und dass mensch sich zum Ende eines Monats
die wirklich letzte Scheibe Toast im Hause einverleibt.

Es war einmal ein reiches Mädchen
das kam zuvor sich reich nie vor.
Es sieht heute ein Bild von sich von gestern:
Da steht es und verschließt mit Sorgfalt Aug und Ohr.

pathos am nachmittag

Mein Herz drängt vorwärts,
prescht Dingen entgegen
die noch nicht einmal ihr Ticket
gebucht haben.
Es weiß nur, was ich denke.
Ich Träume eben gern.

ja, nein, vielleicht

Erwachsenwerden
hat genau eine Funktion:
Desillusionierung.
Was mensch dir als Kind erzählt hat
von Werten,
Gerechtigkeit,
Liebe und Hoffnung,
Freiheit und Logik,
Vertrauen und Sinn
wird systematisch widerlegt
und
du musst erkennen,
dass die Welt beschissen ist.
Du rebellierst.
Du kämpfst.
Du weinst.
Du schreist.
Doch niemand hört dich,
denn sie wissen schon Bescheid
und haben gelernt,
es zu ignorieren.
Und du liest in ihren Augen:
Ja.